Unsere 25- und 20-Jahre-Jubiläumsfeier

Anlässlich unserer 20-Jahr-Feier für das Frauenprojekt KOBRA und der 25-Jahr-Feier des gesamten ZsLs am Donnerstag, den 24. Januar 2019 im Haus der Jugend in Mainz sind ein paar schöne Fotos entstanden, die wir Euch nicht vorenthalten wollen. Hier einige Ausschnitte aus der Feier:

zsl 01 musiker

Traumhafte Intermezzi von Victor Fox (Saxophon) und Franziska Aller (Kontrabass)

          Freudvoller Augen-Blick zwischen Vorstandmitgliedern Lukas Krause (links) und Hermann Reimann (rechts)

Freudvoller Augen-Blick zwischen Vorstandmitgliedern Lukas Krause (links) und Hermann Reimann (rechts)
In die Talkrunde vertieft: Julia Braun (links, Projektleitung KOBRA) und Marita Boos-Waidosch (rechts, Gründungsmitglied)

In die Talkrunde vertieft: Julia Braun (links, Projektleitung KOBRA) und Marita Boos-Waidosch (rechts, Gründungsmitglied)

  ZsL-Geschäftsführer Stephan Heym bei der Eröffnungsrede mit ZsL-Banner seitlich im Bild

ZsL-Geschäftsführer Stephan Heym bei der Eröffnungsrede mit ZsL-Banner seitlich im Bild

Marokkanische Köstlichkeiten hübsch dekoriert auf langer Tafel verwöhnten die Gaumen der zahlreichen Gäste

Marokkanische Köstlichkeiten hübsch dekoriert auf langer Tafel verwöhnten die Gaumen der zahlreichen Gäste

  Gäste betätigen sich kreativ bei musikalischer Untermalung an der Maltafel

Gäste betätigen sich kreativ bei musikalischer Untermalung an der Maltafel

                                                                        Oberbürgermeister Michael Ebling beim Grußwort in der Flucht von vier Rollstuhlfahrer*innen
Oberbürgermeister Michael Ebling beim Grußwort in der Flucht von vier Rollstuhlfahrer*innen.

 

Interview mit Viola Kirch

Viola Kirch ist 47 Jahre alt und gelernte Bürokauffrau. Zusätzlich ist sie als Peer Counselorin ausgebildet. Sie arbeitet seit mehr als 20 Jahren beim ZsL Mainz, zu Anfang noch ehrenamtlich, mittlerweile hauptamtlich 30 Stunden in der Woche.

kirch violaZsL: Viola, wie sieht ein typischer Arbeitstag von dir im ZsL Mainz aus?

Viola: Den typischen Arbeitstag gibt es bei mir gar nicht. Ich habe einen sehr abwechslungsreichen Arbeitsalltag, da ich an verschiedenen Projekten des ZsL beteiligt bin. Zum Beispiel beschäftige ich mich mit dem Büro für Leichte Sprache „EULE“. Dazu gehört auch, dass ich an Schulungen zum Thema Leichte Sprache mitwirke. Da die Schulungen an verschiedenen Orten angeboten werden, kann ein Arbeitstag von mir an ganz unterschiedlichen Arbeitsorten beginnen.

ZsL: Was gehört neben „EULE“ noch zu deinen Aufgaben?

Viola: Ich unterstütze verschiedene Gruppen des ZsL Mainz. Dazu gehören beispielsweise die Frauengruppe und unsere neue Freizeitgruppe. Außerdem arbeite ich mit der Prüfgruppe. In der Prüfgruppe prüfen Menschen mit Lernschwierigkeiten Texte in Leichter Sprache auf ihre Verständlichkeit.
Aktuell bereite ich den Runden Tisch „Arbeit“ vor und bin mit der Unterstützung verschiedener Projekte im ZsL beschäftigt, zum Beispiel unterstütztes Wohnen und Übergang Schule-Beruf.

ZsL: Warum hast du dich für das ZsL Mainz als Arbeitgeber entschieden?

Viola: Ich habe lange in einer Einrichtung gelebt, deshalb ist mir Selbstbestimmung sehr wichtig. Bis zur vierten Klasse habe ich zu Hause gewohnt und eine Regelschule besucht, später bin ich dann in eine Einrichtung gezogen. Ich kenne die Unterschiede also aus eigener Erfahrung. Das ZsL fördert und unterstützt selbstbestimmtes Leben, damit kann ich mich absolut identifizieren. Mit meiner Arbeit für das ZsL kann ich andere Menschen auf ihrem Weg zu mehr Freiheit und Selbstbestimmung unterstützen. Aus diesem Grund habe ich auch vor meiner Anstellung lange ehrenamtlich für das ZsL gearbeitet und beispielsweise die Gruppe „Mensch zuerst“ unterstützt.

ZsL: Welche Herausforderungen sind dir in deiner Ausbildung oder im Berufsalltag schon begegnet?

Viola: Ganz konkrete Herausforderungen hatte ich in dem ersten Betrieb, in dem ich direkt nach der Ausbildung gearbeitet habe. Ich war dort nämlich die Einzige mit einer offensichtlichen Behinderung. Die Räume waren zwar alle barrierefrei, aber beispielsweise unsere Betriebsausflüge nicht. Das ging soweit, dass ich nicht mehr an den Ausflügen teilnehmen sollte, damit die Barrierefreiheit bei der Planung nicht berücksichtigt werden musste.
Eine weitere Herausforderung für mich war lange Zeit die Tatsache, dass ich immer zu langsam war. Schon in der Schule beim Diktat schreiben war ich immer langsamer als alle anderen. Das hat mich immer gestört und es hat sich erst geändert seit ich Assistenz habe.

ZsL: Welches Projekt liegt dir besonders am Herzen?

Viola: Mir ist die Prüfgruppe und der Umgang mit Menschen mit Lernschwierigkeiten besonders wichtig. Es ist ein Bereich der mir einfach liegt, etwas das ich gerne mache.
Die Förderung von Inklusion, nicht nur für Menschen mit Lernschwierigkeiten, liegt mir auch sehr am Herzen. In diesem Bereich möchte ich etwas bewegen.
Das ZsL hat mich und mein Leben stark beeinflusst. Mein Auszug aus der Einrichtung und der Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben, das sind Erfahrungen, die ich weitergeben möchte, um anderen Ähnliches zu ermöglichen.

Die Mitglieder zeigen Gesicht

Und - last but not least - stellen wir Ihnen hier unsere Mitglieder vor.

 

Interview mit Carsten Trimpop


Carsten Trimpop ist 45 Jahre alt und lebt seit drei Jahren selbstständig in einer Wohnung. Vor dem Umzug verbrachte Carsten 25 Jahre in einer Wohnstätte für Menschen mit Behinderung. Er ist seit Juli dieses Jahres Vorstandsmitglied des ZsL Mainz e.V.


trimpop carstenZsL: Carsten, warum bist du nach so vielen Jahren aus der Wohnstätte ausgezogen?

Carsten: Ich wollte selbstständiger werden, das ist mit 24 anderen Menschen unter einem Dach schwierig. Ich wollte mehr Freiheit und mehr Entscheidungen selbst treffen.

ZsL: Würdest du anderen Menschen in deiner damaligen Situation den Auszug empfehlen?

Carsten: Ja, auf jeden Fall. Seit meinem Auszug aus der Einrichtung kann ich mein Leben selbst gestalten, und das kann ich jedem nur empfehlen.

ZsL: Was hat sich mit deinem Umzug in die eigene Wohnung alles verändert?

Carsten: Zum einen bin ich jetzt selbstständiger Arbeitgeber im Arbeitgebermodell und organisiere meinen Unterstützungsbedarf selbst. Das bedeutet, ich kann mir meine Assistenten selbst aussuchen und auch die Dienstplanung an meine Bedürfnisse anpassen.
Zum anderen hat der Auszug meine Lebensqualität sehr verbessert. Ich kann jetzt beispielsweise selbst entscheiden, wann ich abends schlafen gehe, und wann ich morgens aufstehen möchte. Ich kann meinen gesamten Tagesablauf selbst gestalten. Zudem kann ich jetzt Projekte verwirklichen, die mir am Herzen liegen.
Ich bin seit 2015 Inklusionsbotschafter der ISL (Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e.V.) und arbeite an einem Projekt zur Barrierefreiheit. Außerdem halte ich Vorträge zum Thema "Menschen mit Behinderung" oder "Persönliches Budget" in Schulen und Universitäten.

ZsL: Gab es seit deinem Auszug auch schwierige Situationen für dich?

Carsten: Ja, als ich das erste Mal einen meiner Assistenten entlassen musste. Dieses Gespräch ist mir sehr schwer gefallen, da es eine für mich völlig neue Situation war. Jemanden zu entlassen finde ich immer noch schwierig, aber das gehört zu meiner neuen Selbstständigkeit auch dazu.

ZsL: Du bist seit drei Jahren Mitglied im ZsL Mainz, warum bist du dem Verein beigetreten?

Carsten: Das ZsL Mainz hat mich bei meinem Auszug unterstützt und hilft mir auch jetzt noch bei Büroarbeiten, der Lohnabrechnung oder bei der Kommunikation mit Behörden.

ZsL: Bringst du dich auch aktiv in die Arbeit des Vereins ein oder siehst du dich eher als passives Mitglied?

Carsten: Ich bin ein aktives Mitglied, als Teilnehmer an Demonstrationen und Veranstaltungen des ZsL Mainz.
Das ist für mich nicht nur interessant, sondern beeinflusst auch direkt mein Leben. Zum Beispiel durch Aktionen zum Bundesteilhabegesetz.

ZsL: Was wolltest du uns schon immer mal sagen?

Carsten: Ihr macht gute Arbeit, und ich würde mich gerne noch weiter einbringen, um meine Erfahrungen mit anderen zu teilen.

Die MitarbeiterInnen zeigen Gesicht

Auf dieser Seite stellen wir Ihnen mit der Zeit einige unserer MitarbeiterInnen vor. Den Anfang macht hier Viola Kirch, die sich seit über 20 Jahren für das ZsL Mainz engagiert.